Die Geschichte des Diyalog


Der Diyalog e.V. ist eine Gruppe von Theaterenthusiasten, die seit 1983 besteht. Als Angehörige der "zweiten Generation" der in Berlin lebenden türkischen Einwanderer thematisierten wir in unseren Inszenierungen unsere Lebensrealität in der Fremde.

Anfang der achtziger Jahre, als die türkische Kultur in Berlin auf Bauchtanz, Folklore und Videofilme aus der Heimat begrenzt war, versuchten wir mit Theaterproduktionen die Öffentlichkeit auf unsere Kultur aufmerksam zu machen. Als zweite Generation wollten wir nicht, wie unsere Eltern isoliert leben sondern der Gesellschaft, in der wir leben, auch kulturell aktiv angehören.

Der Diyalog e.V. hat mit seiner zweisprachigen Inszenierungen, deutsch-türkisch, ( 1983 – 1995 ) und damit verbundenen Wunsch nach Kulturaustausch und den folgenden Theaterfesten ( 1995 – 2005 ) ein überzeugendes Konzept gefunden, das zu einem erfolgreichen Platz in Deutschland und Europa führte.

Schon das erste Stück, die Komödie "Rumuz Goncagül- Kennwort Rosenknospe" von Oktay Arayici, hatte 1984 beim Publikum großen Erfolg. Das Stück erzählt von einer alten Frau, die sich durch die Verheiratung ihrer Tochter mit einem reichen Mann finanziell sanieren möchte: doch ein geeigneter Kandidat ist schwer zu finden.

Die deutsche Presse schrieb durchweg positive Kritiken über diese Komödie. In den Anfangsjahren des Diyalog war die Auseinandersetzung mit dem Leben als Ausländer ein wichtiger Schwerpunkt. Mit der zweiten Produktion „Misafir – Der Gast“ von Bilgesu Erenus nahm Diyalog 1985 ein Thema auf, das für das türkische Publikum besonders aktuell war. Das Stück spielte mehrere Male ausverkauft, wurde auf Festivals eingeladen und ging auf Deutschland Tournee.

In der Zeit der „Rückkehrprämien“ wurde über die Integrations- und Reintegrationspolitik eines türkischen Arbeiters hier und in seiner Heimat in den Immigrantenfamilien viel diskutiert. Das Theaterstück „Dönüs – Die Rückkehr“ das ebenfalls großen Erfolg hatte, erzählte die Geschichte der Rückkehrer. Diyalog wollte jedoch ihr Programm nicht auf einen Aspekt „Ausländerproblematik“ reduziert wissen.

Deshalb fand 1987 neue Orientierung statt. Diyalog begann Dramen international bekannte Autoren zu adaptieren, diese auf die eigene Lebenssituation zu beziehen und zu aktualisieren. 1988 kam „Romulus der Große – Büyük Romulus“ von Friedrich Dürrenmatt auf die Bühne.

In der Adaptation des Diyalog wurde aus Dürrenmatts Geschichtsparodie auf Patriotismus und Heldentum eine deutsch-türkische Komödie in guter Volkstheatertradition. Im gleichen Jahr spielte Diyalog „Zwei Verlorene in einer schmutzigen Nacht“ von Plino Marcos.

Der brasilianische Autor erzählt vom Schicksal zweier outlaws, die ihr Leben verändern möchten. Nicht sie sind die Verlorenen der Gesellschaft, sondern es sind diejenigen, die für deren Ausgrenzung verantwortlich sind, korrupte Unternehmer und Politiker, die soziale Ungerechtigkeit planen und Macht ausüben. 1991 zeigte Diyalog „Picknick im Felde – Cephede Piknik“ des spanisch-marokkanischen Autors Fernando Arrabal. Dieses skurril-absurde Antikriegsstück war aus Protest gegen den ersten Golfkrieg inszeniert.

In den erfolgreich adaptierten, aktualisierten Stücken des Diyalog gehören außerdem „Der Indianer will zur Bronx – Bronx Nerede?“ von Israel Horowitz (1994) sowie die Komödie „Bezahlt wird nicht – Borcumuz Yok“ von Dario Fo (1993)

Eine neue Zielgruppe sprach Diyalog mit der Produktion „Allem Kallem“ deutsche und türkische Kinder an. Als Vorlage diente das türkische Volksmärchen von Keloğlan, dem kahlköpfigen, nach dem Märchen von Nazım Hikmet.

Aus der Begeisterung für Kindertheater heraus, inszenierte Diyalog weitere Kinderstücke wie, das „ Kamel“ von Dumitri Salomon, „Der kleine schwarze Fisch“ nach der Erzählung des iranischen Autors Samad Behranghi und Kardan und Leylaki von Lambert Blum frei nach der Erzählung „Das Schwein, das unter die Hühner ging“ von dem syrischen Autor Rafik Schami.

Ab 2010 wurde auf Wunsch des künstlerischen Leiters Mürtüz Yolcu eine Trennung zwischen Ihm und der Diyalog e.V. stattgefunden.



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